Ev. Kindergarten Regebogen

Trägerverbund der Ev. Tageseinrichtungen für Kinder
im Kirchenkreis Lübbecke


Lessingstraße 10 - 32312 Lübbecke - Tel.: 05741 / 1552

Verändertes Lernen

Kinder brauchen Bewegung - Kinder brauchen Spiel - Kinder brauchen Wahrnehmung.
Wie jeder Kindergarten ( Kindertagesstätten) haben Bewegungskindergärten einen
gesetzlich vorgeschriebenen Bildungs- und Erziehungsauftrag, die Erziehung der
Kinder zur Selbständigkeit, Kreativität und zu einer eigenständigen
Persönlichkeit. Kindgerecht gesprochen heißt das, es wird nicht nur getobt,
sondern gemalt, gesungen, gebastelt, gestaltet und sinnvoll gespielt. Die Praxis
hat aber gezeigt, dass Kinder viel konzentrierter sind, wenn sie sich vorher
bewegt haben.

(aus: Kinder-Stadt)

 

Lernen im frühen Kindesalter ist in erster Linie lernen über Wahrnehmung, Bewegung und Spiel. Die sinnliche Wahrnehmung eröffnet dem Kind die Welt, sie ist die Wurzel jeder Erfahrung. Greifen ist auch immer begreifen, fassen auch immer erfassen. Die Bewegungserziehung versteht sich als ganzheitliche Persönlichkeitserziehung. Sie wirkt sich nicht nur auf die Bewegungsentwicklung aus, sondern auch auf die psychische, geistige und soziale Entwicklung.

So erfährt und lernt das Kind durch Bewegungsspiele und -angebote:
- die Bedeutung gegenseitiger Rücksichtnahme und Hilfen,
- sein Können und lernt besser mit sich umzugehen,
- sich besser einzuschätzen und wahrzunehmen,
- motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erweitern,
- soziale Verhaltensweisen zu erproben,
- eine differenziertere Wahrnehmung,
- die Kommunikationsfähigkeit zu stärken, - Förderung der Lernbereitschaft, Ausdauer u. Konzentration zu erhöhen,
- eigenverantwortliches Handeln zu stärken,
- schöpferische und kreative Kräfte zu erweitern,
- vermehrte Sprachentwicklung.

Bewegung und Spiel ist seine Sprache, seine Kommunikation und seine Ausdrucksmitte - und da seine Entwicklung ein ganzheitlicher Prozess ist, fällt diesem Bereich eine große Bedeutung zu. Dazu kommt, dass Kinder im Vorschulalter, in dem sie besonders aufnahmefähig, lernbereit und wissbegierig sind, eher motorisch als geistig konzipiert sind (sensormotorische Entwicklung).

Wie sieht aber die heutige Situation aus ?

Noch nie hatten die Kinder so viele Spielsachen (auch unsere "Kleinen" sind oft schon vertechnisiert), noch nie war das Freizeitangebot so groß - noch nie hatten sie so wenig Möglichkeiten, sich ihre Umwelt mit allen Sinnen und ihrem Körper zu erschließen. Charakteristisch für die heutige Kindheit ist:
- viel mehr Straßenverkehr, dadurch eine immer weiterschreitende Verhäuslichung - immer weniger Spiel- und Bewegungsgelegenheiten draußen,
- Spielangebote liegen weiter entfernt und müssen daher mit dem Auto angefahren werden,
- Technisierung und Motorisierung schreiten immer weiter voran und die Kinder sind dem ausgesetzt,
- die Sinnestätigkeit ist immer mehr auf akustische und visuelle Wahrnehmung beschränkt,
- immer weniger Erkenntnisgewinnung durch eigenes Handeln,
- oft Erkenntnisgewinnung aus zweiter Hand ( z.B. durch das Fernsehen).

Spätere Auswirkungen
So treten immer mehr mangelnde Bewegungs- und Spielerfahrungen ein und die Folgen daraus sind:
- Wahrnehmungsmängel, Verkrampfungen und Ängste, Gleichgewichtsstörungen, Unbeweglichkeit, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Kontaktarmut.
Das bedeutet, dass Kinder ohne soziale Kontakte psychisch und emotional verwahrlosen, es ohne Bewegung zu weniger Selbständigkeit und Selbstvertrauen kommt. Misserfolge, die dann eintreten, führen zu Ablehnung, Ängsten und vermindertem Selbstwertgefühl. Dadurch erfolgt ein weiterer Motivationsverlust, dies führt wiederum zu noch weniger Bewegungen. Letztlich kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten wie:
Unaufmerksamkeit, fehlende Konzentration, Versagensängste.

Somit ist es Ziel und Aufgabe unserer Kindertagesstätte

- dem Bewegungsdrang der Kinder entgegen zu kommen,
- Auseinandersetzung mit sich und ihrer Umwelt heraus zu fördern,
- ihr Bewegungsbedürfnis durch kindgerechte Spiel- und Bewegungsangebote zu motivieren,
- motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erweitern und zu verbessern, sinnliche Erfahrungen zu ermöglichen und zu intensivieren,
- Kreativität, Phantasie, Geschicklichkeit etc. zu fördern,
- Vertrauen, Zutrauen, Geborgenheit, Verständnis zu geben,
- sie experimentieren und ausprobieren zu lassen und ihnen Erfolgserlebnisse zu vermitteln,
- mit ihnen viel zu kommunizieren, und sie zu sozialem Handeln anzuregen, sie beim Aufbau von Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung zu unterstützen,
- Bewegungssituationen zu schaffen, die zu sozialen Lernprozessen führen, die Absprachen, Verständigung und Regeln erfordern (und deren Einhaltung), lernen miteinander zu leben,
- lernen, Konflikte nicht auf der Ebene körperlicher Auseinandersetzung auszutragen, sondern zur Entwicklung von Toleranz, Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme beizutragen,
- Grob- und Feinmotorik zu fördern (Gleichgewicht, Konzentration, Wahrnehmung, Reaktion, Ausdauer, Denken, Bewegen, Sozialverhalten),
- familienunterstützend zu arbeiten,
- die körperliche, motorische, emotionale, kognitive u. soziale Entwicklung der Kinder gleichermaßen zu unterstützen und zu fördern,
- den Kindern Räumlichkeiten für ausreichende, unterschiedliche und bedarfs- und bedürfnisgerechte Aktivitäten zu bieten,
- eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern zu pflegen.
In unserem Bewegungsraum, wie auch in der Turnhalle der Astrid-Lindgren-Grundschule, bieten wir situative, geplante, offene und freie Bewegungsstunden oder -gelegenheiten an. Darüber werden zwischen den Erzieherinnen Absprachen geführt. Da die Bewegungsstunden seit einiger Zeit im Wechsel von allen Erzieherinnen geleitet werden, halten wir die Angebote nun auch schriftlich fest. So können wir immer nachsehen, wer was, wann und wie angeboten hat und können entsprechend darauf reagieren. (nicht in der darauf stattfindenden Stunde dasselbe anbieten, oder auf das Vorherige aufbauen, oder einen wichtigen Teilaspekt heraus ziehen... )
Kinder drücken ihre "Lebenspläne" durch Bewegung, Verhalten, spielen, erzählen, Träume und malen aus.
Dadurch werden die anderen Bereiche des Entwicklungskreislaufes wie Kreativität, Phantasie, Sprache, sozialer Bereich, Intelligenz, Denken, Interessen und Gefühle aktiviert, angereichert und qualitativ verändert - Selbstwertgefühl bildet sich weiter aus.
Bewegung ist das Fundament für Entwicklung - und zwar für jene Bewegungen, die das Kind eigenständig entfaltet. Wenn wir verstehen, dass Vergangenes sich auf das Gegenwärtige auswirkt und auf Zukünftiges ausstrahlt, wenn es nicht gut verarbeitet wurde, dann werden wir zu wertvollen Wegbegleitern.

Ein Kind, das die Möglichkeit hat so zu leben, entwickelt:

Mut und Neugierde> positive Gefühle> seelisches Wohlbefinden> es entspannt sich> diese Entspannung führt zu Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit> dadurch entwickeln sich vermehrt emotionale, kognitive, soziale und motorische Kompetenzen.
Alle vier Kompetenzbereiche stehen in unmittelbarem Zusammenhang

Unser Leitsatz ist:
Wahrnehmen - Bewegen - Handeln - Spielen
führen zum Lernen
und dadurch zur
emotionalen - kognitiven - sozialen - motorischen
Schulfähigkeit.

Quellen: aus Kinder mit mangelnden Bewegungserfahrungen 1 - 4